KELLEREI KURTATSCH

Alles steckt in der Traube

Die große Verkostung in der Kellerei Kurtatsch: „Alles, was einen guten Wein ausmacht, steckt in der Traube“. Präsident Andreas Kofler und Kellermeister Othmar Donà hatten die Dionysos-Redaktion eingeladen, neue und alte Jahrgänge der Kellerei genauer unter die Lupe zu nehmen.

von Maria Kampp*

Ein Weinmagazin macht Arbeit! Welch ein Glücksfall, wenn diese Arbeit derart Vergnügen macht wie die jüngst stattgefundene Verkostung in der Kellerei Kurtatsch. Zur Einstimmung kredenzten die Kurtatscher ihren Blanc de Blancs aus 100 Prozent Chardonnay. Die Trauben für diesen Schaumwein wachsen in Penón in einer Höhe von 500 bis 620 Meter. 2014 wurde der erste Blanc de Blancs produziert. 20 Prozent wurden im Barrique vergoren und machten einen biologischen Säureabbau. Der Rest vergor im Stahltank. Der Schaumwein besitzt dennoch mehr als 7 Prozent Säure und 1,5 Gramm Restzucker. „Ziel ist, etwas Hochwertiges zu machen“, so Kellermeister Othmar Donà. „Wir haben drei Lagen ausgewählt, alle mit südöstlicher Ausrichtung. Die Ergebnisse sind bisher sehr erfolgversprechend.“ Uns gefallen die knackige Säure und ihr Zusammenspiel mit dem fein nuancierten Hefeton außerordentlich gut. Eine schöne Länge besitzt der (noch) namenlose Schaumwein auch, man darf sich also freuen, wenn er im Mai 2020 anlässlich des 120-jährigen Bestehens der Kurtatscher Kellerei in den Verkauf kommen wird.

Nach diesem vielversprechenden Auftakt ging es zum Ansitz Freienfeld. Im Jahr 1521 im Dorfzentrum erbaut, war der Ansitz seit dem Gründungsjahr 1900 bis 1923 Sitz der Kellerei. Da die Räumlichkeiten schnell zu klein wurden, zog man in das heutige Kellereigebäude an der Weinstraße. Heute wird der Keller des Ansitzes als Barriquelager, Wein-Archiv und als Schauplatz exklusiver Verkostungen genutzt, so auch an diesem Abend. Insgesamt 15 ausgesuchte Weine durften wir verkosten, davon acht der Kellerei. Die übrigen waren Kandidaten in einer spannenden Blindverkostung, in der sich die Weine der Kurtatscher der italienischen und französischen „Konkurrenz“ stellten.

Gegründet im Jahr 1900 und damit eine der ältesten Südtiroler Kellereigenossenschaften, befindet sich die Kellerei Kurtatsch direkt an der Südtiroler Weinstraße im gleichnamigen Dorf. 180 Genossenschaftsmitglieder bewirtschaften 180 Hektar Anbaufläche, davon 85 Prozent in Kurtatsch mit einer Jahresproduktion von über einer Million Flaschen.

„Einmalig in Südtirol sind unsere Lagen“, so Präsident Andreas Koffer. „Sie reichen auf unterschiedlichen Böden von 220 bis 900 Höhenmeter, von der tiefen, im Sommer sehr heißen Talsohle bis hoch unter die steilen Felswände des Mendelgebirges.“ Dieser Lagenreichtum, so Kofler, gibt die Philosophie der südlichsten Genossenschaft Südtirols vor. „Wir wollen unverwechselbare Weine produzieren die ihren Standort und ihr Terroir optimal widerspiegeln.“ Die sehr warmen, steil abfallenden Lagen auf Lehm- und Schotterböden mit Temperaturen bis zu 40 Grad im Sommer gehören zu den heißesten Orten Italiens und sind damit prädestiniert für die Produktion internationaler Spitzenrotweine. Die Weißweintrauben wachsen vorwiegend auf steilen kalkhaltigen Böden in luftigen Höhen bis zu 900m ü.d.M. und profitieren von den abkühlenden nächtlichen Fallwinden. Das Ergebnis? Unverwechselbare Gebirgsweine mit einzigartiger Ausdruckskraft, so Kofler.

„Wir wollen unverwechselbare Weine produzieren, die ihren Standort und ihr Terroir optimal widerspiegeln.“

Die 180 Weinberge befinden sich zu 85 Prozent im gleichnamigen Gemeindegebiet der Kellerei. „Diese kleine Struktur garantiert handwerkliches Arbeiten und eine hohe Flexibilität im Weinberg“, so Othmar Donà, Kellermeister in Kurtatsch seit 1992. Ein neues Nachhaltigkeitsprogramm strebe eine noch naturnähere Bewirtschaftung an. Dank Einzellagenausbau produziert die Kellerei Kurtatsch in ihrer Spitzenlinie „Terroir“ Weine, die den Namen ihrer Herkunft tragen und aufgrund stark reduzierter Erträge deren volles Potenzial wiedergeben. Bei einigen Weinen ist der Qualitätsanspruch so hoch, dass diese, witterungsbedingt, nur in den besten Jahren in die Flasche kommen. Die Linie „Selection“ ist die erste Selektion, basierend auf reduzierten Erträgen und einem streng kontrollierten Anbauprogramm. „Das sind Weine mit Persönlichkeit“, so Donà und bestätigt das Lagenspiel als wichtigsten Faktor. „Wir haben warme Lagen“, so auch Andreas Kofler, „wir haben kühle Lagen. Jede Rebsorte findet den für sie perfekt geeigneten Platz.“ Man strebe nach eleganten, schlanken Weinen, Ziel seien „tolle Bergweine mit Frische, Frucht und Mineralität“. Davon dass dieses Streben von Erfolg gekrönt ist, durften wir uns in einer großartig angelegten Verkostung der Linie „Terroir“ überzeugen.

Den Anfang machte der Müller Thurgau GRAUN 2018, der in einigen Wochen in den Verkauf geht. Der Müller Thurgau, eine  Kreuzung von Riesling mit Madeleine Royal, kam in den ersten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts nach Südtirol. Er ist eine extrem zähe und kälteresistente Rebsorte, die sich optimal an unregelmäßige alpine Frostperioden in der Vegetationsphase anpassen kann. In der Kurtatscher Fraktion Graun gedeihen die Trauben auf über 800 Metern Meereshöhe. Dank der teilweise extremen Witterungsbedingungen erreicht der Müller Thurgau hier eine bemerkenswerte mineralische Feinheit. Die markanten Temperaturunterschiede zwischen Tag und Nacht tragen dazu bei, dass sich die Trauben mit intensiven Floral- und Fruchtaromen anreichern. Der temperaturgezügelten Vergärung im Edelstahltank folgt der Ausbau auf der Feinhefe. Die kernige, stets präsente Säure bleibt durch den Ausbau im Edelstahlfass bewahrt, die Nase erinnert an Bergkräuter, alte Birnensorten, Flieder und gelbe Pflaumen.

Weiter geht’s mit dem Pinot Grigio. PENONER 2017. Erzherzog Johann von Österreich führte die ersten Reben von Pinot Gris im Jahr 1852 aus Burgund ein. Traditionell in den fruchtbaren Ebenen zu finden, gedeihen die Trauben für den PENONER in luftiger Höhenlage, in den Steillagen von Penon auf 600 m ü. d. M.. „So entwickelt unser Pinot Grigio seinen Körper“, so Othmar Donà. Auf den kalkhaltigen Weinbergterrassen entstehe ein einzigartiger würzig-pfeffriger Bergwein. Wir riechen Mandarinen, gelben Pfirsich, Kaiserbirnen und frische Äpfel. Das Finale beeindruckt mit einem lebendigen Spiel von Mineralität und langanhaltender Frucht. Der PENONER wird zu 20 Prozent im Barrique vergoren, der Rest im Stahltank.

Der AMOS, den uns Andreas Kofler aufschenkt, wird seit 2015 produziert. Heute Abend probieren wir den Jahrgang 2017. Aus den besten handverlesenen weißen Trauben aus den höchstgelegenen Kurtatscher Weinbergen vergoren, besitzt er nach 14 Monaten Reife im großen Holzfass eine Geradlinigkeit, die mit großer Eleganz punktet. „Ziel war eine schöne, schlanke Cuvée“, so Othmar Donà.

„Der AMOS punktet mit Eleganz und ist trotzdem kraftvoll“. Ein 70-prozentiger Anteil von Burgundersorten bildet das solide und kompakte Rückgrat. Anteile von Kerner, Sauvignon und Müller Thurgau verleihen dem AMOS Frische und Frucht.

Geradlinigkeit und Eleganz stehen auch beim Chardonnay Riserva FREIENFELD 2016 im Vordergrund. Ein schönes Säurespiel, gepaart mit einer betörenden Salzigkeit am Gaumen, erinnert Christine an manche Chardonnays aus dem Jura. Als Blend der besten Kurtatscher Chardonnaylagen wird der FREIENFELD nur in Jahren mit optimalem Witterungsverlauf gekeltert. Die mittel- bis tiefgründigen kalkhaltigen Böden sind unregelmäßig von lehmigen Quarziten durchzogen. Die tiefere Lage um 300 Meter garantiert Fülle und Dichte, die höheren Lagen um 500 Meter sorgen für Dynamik und pikante Konturen im Wein, exotische Früchte im Duft, komplex gepaart mit feinen Röstaromen.

Als letzten Weißwein verkosten wir den BRENNTAL Riserva 2017, der im Herbst in den Handel kommt. Der Gewürztraminer aus der Lage Brenntal wächst auf 250 bis 350 Metern Meereshöhe. Die steil abfallenden Weinberge sind mit dem schweren Lehmboden für die einmalige Würze und Dichte sowie für die besondere Langlebigkeit des BRENNTAL verantwortlich. Alte Reben sorgen für eine ausgeprägte Mineralität, so Othmar Doná, der etwas höheren Lage ist die rassige Säure zu verdanken. Die feine, unaufdringliche Mineralität sorgt für ein herzhaftes Finale am Gaumen.

Von Weiß zu Rot! Wir beginnen mit dem SONNTALER 2018, der vor wenigen Wochen abgefüllt wurde und ab Herbst im Verkauf zu finden sein wird. Eine Assemblage verschiedener Vernatsch-Spielarten mit einem hohen Anteil an Grauvernatsch, wachsen die Trauben in den ältesten Weinbergen (älteste Anlage: Pflanzjahr 1933!). Diese alten Reben bringen naturgemäß geringe und deshalb hochwertige Erträge hervor. Nach der Gärung im Edelstahltank reift der Wein für mehrere Monate im großen Holzfass auf der Feinhefe. Das Aromenbukett erinnert an Kirschen, Walderdbeeren und rote Johannisbeeren, der elegante, schlanke Körper zeigt sich zupackend im Gaumen. Feinkörnige Gerbstoffe geben der geschmeidigen, sortentypischen Fruchtigkeit ein ausgedehntes Finale.

Der Blauburgunder Riserva MAZON 2016, ebenfalls ab Herbst erhältlich, ist das jüngste  „Kind“ der Kellerei und kommt im Spätherbst 2019 erstmals in den Verkauf. Die Trauben stammen aus der Einzellage Mazon. Die Maische wird vier bis fünf Tage lang kaltmazeriert mit circa zehn Prozent ganzen Trauben. Nach der Gärung erfolgt nochmals eine Nachmazeration von ungefähr einer Woche. Nach dem biologischen Säureabbau wird der Wein in Barriquefässern ausgebaut, zu 50 Prozent in neuem Holz, zu 50 Prozent in Holz erster und zweiter Belegung. Nach zwölf Monaten kommt der Wein nochmals zur Reifung ins große Holzfass und anschließend in die Flasche, wo man ihn mindesten weitere sechs Monate reifen lässt.

Die Kurtatscher sind stolz auf ihre Weine und zeigen sich selbstbewusst. Dass sie dazu allen Grund haben, zeigten die zwei Blindverkostungen von 2015er Cabernets und Merlots. Hier stellten sich die Kurtatscher Cabernet Sauvignon Riserva FREIENFELD sowie Merlot Riserva BRENNTAL der „Konkurrenz“ aus Frankreich und Italien, darunter Sassicaia, Argentiera, Château La Conseillante und Château Canon-la-Gaffelière. Den Vergleich müssen sie keinesfalls scheuen, darin waren sich alle Anwesenden einig.

Dass die Kurtatscher Weine nicht nur für sich genossen ein Vergnügen sind, sondern auch hervorragende Speisenbegleiter, wurde spätestens beim opulenten, von älteren Jahrgängen Kurtatscher Weine begleiteten Abendessen im Restaurant Schwarz Adler deutlich. So durften wir uns an diesem Abend vorbehaltlos der Kurtatscher Philosophie anschließen: „Lage für Lage, Wein für Wein!“

*Somelière

Fotos: © Albin Thöni

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