C&A Tasting

Wunderschönes Wechselspiel

Ein Wein der meinen Jagdinstinkt sofort weckte: den „Terratorium 2016“, welcher von Josephus Mayr auf dem Weingut Unterganzner hergestellt wurde.

von Christine Mayr*

Anlässlich meines kürzlich stattgefundenen Seminars „Das ABC der Spitzenweine Südtirols“ stieß ich auf einen Wein, welcher mir gänzlich unbekannt war und welcher meinen Jagdinstinkt sofort weckte: den „Terratorium 2016“, welcher von Josephus Mayr auf dem Weingut Unterganzner hergestellt wurde. Sofort machte ich mich im Internet auf die Suche nach Informationen zu diesem außergewöhnlichen Tropfen und schrieb dann auch sogleich ein Mail an Josephus mit der Bitte um nähere Informationen.

Laut Internet handelt es sich um eine limitierte Kunstedition der Künstlerin Emma Smith mit dem Titel „As local as possible“. In diesem BAU-Projekt will die Künstlerin ortsfremde Materialien so weit wie möglich ausschließen und die Essenz des Ortes „destillieren“; die Einzigartigkeit und Eigenständigkeit von Orten werden dabei in Frage gestellt. Klingt spannend!  Neben dem Winzer waren auch der Geologe Konrad Messner, der Meteorologe Manuel Oberhuber, der Förster Laurin Felix Mayer, sowie der Weinakademiker Christoph Tscholl involviert.

Die Lagreintrauben stammen von den Schwemmböden Kardauns und wurden von alten Rebanlagen aus eigener Selektion entnommen. Die Ernte fand spät gegen Ende Oktober 2016 statt. Die Trauben wurden von Hand abgebeert, um den Einfluss von Maschinen auszuschließen und händisch gepresst. Die Gärung vollzog sich spontan im offenen Barriquefass aus eigener Flaumeiche. Das mehrjährig gelagerte Holz wurde dann von dem Betrieb Mittelberger zusammengebaut. Auch der Ausbau erfolgte in einem der beiden Barriquefässer aus eigenem Holz und dauerte über zwei Jahre. Die Abfüllung erfolgt schonend ohne Filtration und von Hand.

Auch die Ausstattung der Flasche ist äußerst speziell mit einem Bastkörbchen, einem Fiasco aus Monteluppo Fiorentino.

„Das Bouquet ist komplex und charaktervoll. Anklänge von Tabak, Leder und Lakritze wechseln sich ab mit fruchtigen Nuancen von Brombeere und Herzkirschen.“

Bei der Betrachtung zeigt der Wein dunkles und undurchdringliches Schwarzrot mit violetten Rändern. Das Bouquet ist komplex und charaktervoll. Anklänge von Tabak, Leder und Lakritze wechseln sich ab mit fruchtigen Nuancen von Brombeere und Herzkirschen. Im zweiten Anriechen erscheinen Aromen von Bitterschokolade und Brunelle.

Am Gaumen ist ein wunderschönes Wechselspiel zwischen Frucht und reifem Tannin erkennbar. Gleichzeitig ist der Wein auch sehr saftig und frisch. Das alles wird von einer recht kräftigen Struktur getragen. Eine zarte Feinbittere dominiert den langen Abgang im Wechselspiel mit einer tollen Fruchtkomponente.

Ein spannender Wein von großer Qualität!

*Verkostet im Mai 2019 

Chris Mayr (DipWSET – FRWS)

Foto: © Christine Mayr

Christine Mayr mit Albin Thöni

Christine Mayr mit Albin Thöni

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