SEPP REITERER

Der Magier der feinen Bläschen

Als Sepp in jungen Jahren das Handwerk der Önologie erlernte – zuerst im Versuchszentrum in der Laimburg, anschließend im Staatsweingut Bad Kreuznach – hätte er sich wohl nie träumen lassen, als Pionier in die Geschichte der Südtiroler Sektproduktion einzugehen. Und doch stellte er 1979 als einer der ersten Erzeuger Schaumweinflaschen in Mölten auf 1200 Meter her.

Sepp, wie bist Du mit dem Wein in Berührung gekommen? 

Ich bin auf einem Bauernhof in Mölten aufgewachsen und habe mich als Jugendlicher für den Besuch der Versuchsanstalt Laimburg entschieden. Dort habe ich meine önologische Laufbahn eingeschlagen. Die Ausbildung hat mich sehr fasziniert und ich habe sie ohne Stipendien jeglicher Art abgeschlossen.

Nach der Laimburg war die Ausbildung noch nicht fertig?

Nein, ich habe meine Ausbildung im Staatsweingut Bad Kreuznach vertieft und zu Ende gebracht. Vor allem die guten Kontakte und Verbindungen dort sind mir dann immer wieder zu Gute gekommen. Es bot sich dadurch die Möglichkeit, önologische Technologie-Produkte eines Deutschen Unternehmens in Italien zu vertreten. Dadurch bin ich in Italien weit herumgekommen und habe viel gelernt.

Wie bist Du letztendlich beim Sekt gelandet?

Nach Jahren des Vagabundierens stellte sich uns (Marianne und mir) die Frage, ob wir uns nicht in Mölten sesshaft machen und uns ein zweites Standbein zulegen sollten. Nachdem Mölten eine „Berggemeinde“ ist,  war es für mich naheliegend eine Destillerie zu eröffnen um Destillate herzustellen. Marianne war von meiner Idee nicht so überzeugt. Nachdem sie eine leidenschaftliche Sekt- und Champagnertrinkerin ist, überzeugte sie mich, in Mölten Sekt zu produzieren. Diese Idee gefiel mir dann auch zunehmend gut. Auch ich hatte ja immer schon eine Vorliebe für den edlen prickelnden Saft. Und ich hatte auf mehreren Reisen die Champagne kennengelernt.

Wie fiel Eure Entscheidung auf Mölten?

Ich war ja als Kind in Mölten aufgewachsen.  Meine Marianne arbeitete auch während meiner önologischen Wanderschaft in dem Gastbetrieb einer Tante. So war es für uns naheliegend unser Glück hier zu versuchen. Auch waren die Höhenlage und die damit verbundenen Temperaturunterschiede für mich sehr wichtig für die Flaschenreifung der Schaumweine. So können die Weine  zwischen 24 Monaten und 70 Monaten in Ruhe reifen! Ein weiterer großer Vorteil war, dass ich mich durch meine langjährige Beratertätigkeit sehr gut mit Maschinen auskannte und technisch ausgebildet war. 

1979 war es dann so weit, wir konnten unsere Sektkellerei eröffnen. Andere hatten zwar schon mit der Traditionellen Flaschengärung experimentiert, wir waren aber die ersten, welche sich ausschließlich auf Schaumweine spezialisierten, welche mit der gleichen Methode wie der berühmte Champagner hergestellt werden.

Ich kann mich gut auf die erste Pressekonferenz 1981 erinnern, bei welcher Dr. Weger, Dr. v. Fioreschy und Erwin Blaas mit dabei waren. Diese Pressekonferenz wurde  von Teilen der Presse gemieden. Es handelte sich um absolutes Neuland, Weine außerhalb des eigentlichen Erzeugergebietes auf 1200 Meter herzustellen. Zu dem war ich eine völlig unbekannte Person, welche außerdem auch nicht aus einem Weinbaubetrieb stammte.

Was unterscheidet Euch von anderen Sektkellereien?

Wir verfügen über keine eigenen Weinberge. Auf Mölten wachsen ja keine Reben. Wir kaufen die besten Reben von unseren Traubenlieferanten. Diese waren und sind in verschiedenen Gegenden in Südtirol verstreut. Wir kaufen aber auch Weine, welche wir vorher vor verkosten. Ein besonderer Wein ist unser Phineas, welcher aus Weinen aus dem Weingut Dolomytos gekeltert wurden. 

Wir lassen dann Trauben von Chardonnay, Weißburgunder und Blauburgunder  von unseren Lieferanten nach Mölten liefern, wo die Trauben verarbeitet werden. Die Lagen der Trauben liegen zum Teil in Girlan, Terlan, Auer und Salurn. Die Versektung erfolgt streng nach der Traditionellen Methode. In den letzten Jahren wurde der unterirdische Keller beträchtlich vergrößert und in die notwendigen Technologien investiert. Uns war es immer wichtig, alles mit Maß anzugehen und nicht ins Unendliche zu wachsen. Investitionen müssen immer tragbar sein! Die Qualität der Weine liegt uns sehr am Herzen, so wird immer kontrolliert, dass alle Flaschen gleichmäßig gären.

Nach dem Ausbau auf Flasche müssen die Flaschen wieder ins Tal gebracht werden. Es ist also einiges an logistischer Leistung von Nöten. Wir hatten dann auch für unseren Vertrieb einen zweiten Betrieb gegründet: Vivaldi. Mitgesellschafter war unser sizilianischer Wiederverkäufer. Leider verstarb dieser früh. Das erklärt, warum oft der Namen Arund Vivaldi anzutreffen ist. Zwischen 1985 und 1990 verkauften wir so an die 40 000 Flaschen. 2005 wurde dann Vivaldi geschlossen. 

Wie kamst Du auf den Namen Arunda?

Es sollte ein Namen sein, der nicht hart auszusprechen ist. Dieser keltische Namen wurde schon für die gleichnamige Zeitschrift verwendet. Nachdem der Namen nur für den Buchdruck angemeldet worden war und nicht für die Lebensmittelbranche,  konnte ich dann mit Absprache der Herausgeber diesen Name für meine Schaumweine und für meinen Betrieb verwenden.

Wie waren die ersten Zeiten?

Es bedurfte viel Einsatz um  Hoteliers, Sommeliers und Endverbraucher zu überzeugen, dass man auch in Südtirol vorzügliche Schaumweine herstellen kann. Das Terroir ist ideal um frische, aber auch komplexe Grundweine herzustellen. Gerade die Hauptrebsorten für die Versektung  wie Chardonnay, Weißburgunder und Blauburgunder finden auf den Kalkböden Südtirols ideale Wachstumsbedingungen. Den Rest trägt das ideale Klima dazu bei. Mit steigender Erfahrung sind auch unsere Weine immer besser geworden. Und unsere Kellerei immer bekannter. 

Wie sieht es heutzutage aus und wie wird die zukünftige Entwicklung sein?

Durch den gestiegenen Wohlstand ist die Nachfrage nach guten Schaumweinen merklich gestiegen. Sekte gehören heute zum Lifestyle. Auch weiß der Konsument mehr über die verschiedenen Anwendungsbereichen von Weinen. So wird Sekt nicht nur zum Aperitif getrunken und zu Feierlichkeiten, sondern wird oft zum ganzen Menu gereicht. Grundsätzlich trinkt man heutzutage trockenere Sekte als früher. Dieser Trend wird sich auch in Zukunft behaupten. Die Erderwärmung und der geänderte Kundengeschmack machen es möglich. Man bevorzugt fruchtig und trockene Weine, weniger Massenware, sondern das Besondere. Aus einer Nische heraus hat sich der Südtiroler Schaumwein mittlerweile einen Platz im Rampenlicht erkämpft. Immer mehr heimische Kellereien bieten Schaumweine aus Südtirol an. Dies steigert das Interesse des Publikums! Gerade auch in Zeiten von Corona-Krise ist die Hinwendung zu Regionalität, kleinen Kreisläufen und Qualität ein wichtiger Ansatzpunkt.

Wie artikuliert sich der Vertrieb Eurer Weine?

45 % werden in Südtirol vertrieben, 30 % in den weiteren Regionen Italiens. Die restlichen 25 % teilen sich auf zwischen Österreich, Deutschland, Schweiz, Schweden und Großbritannien.

Herzlichen Dank für das Gespräch und weiter viel Erfolg.

Interview: Chris Mayr, DipWSET

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