Statistik

Der Wein-Report

Die Rebfläche in Südtirol bei den roten Sorten hat sich deutlich verringert, während jene der weißen Sorten stark zugenommen hat. Alles über die Entwicklung der Weinanbaufläche in Südtirol.

von Roman Gasser*

Unser geliebter Südtiroler Wein ist ein absolutes Qualitätsprodukt. Wir können stolz auf eine tolle Entwicklung samt stetiger Qualitätssteigerung zurückschauen. 

Aber was sagen die genauen Daten? Wo haben wir uns verändert und wie sieht es mit der Flächenentwicklung in Südtirol aus? 

Um diese Frage wissenschaftlich beantworten zu können, haben wir die Daten des WIFO (Institut für Wirtschaftsforschung der Handelskammer Bozen) unter die Lupe genommen. 

Das WIFO hat 96 Südtiroler Weinproduzenten befragt und die entsprechen Daten ausgewertet. 

5.455 Hektar feinste Weinfläche gibt es in Südtirol. Der Anteil der Weißweinfläche ist von 46,2 Prozent auf 62,3 Prozent deutlich gestiegen, wobei die Sorten Sauvignon, Gewürztraminer und Ruländer die größten Flächenzunahmen verzeichnen. Bei den Rotweinsorten hingegen fällt auf, dass sich die Fläche der Vernatschrebe fast halbiert hat.

Auch bei der Qualität (DOC-Bezeichnung) konnte eine Verbesserung erzielt werden. Fast die gesamte Rebfläche in Südtirol ist als DOC-Fläche ausgewiesen (97,9 %). Der restliche Anteil ist IGT-Fläche (2,1 %). 

Durchaus dynamisch war die Entwicklung der Bio-Rebfläche. Diese wuchs von 123 Hektar im Jahr 2005 auf 391 Hektar im Jahr 2018. 

Insgesamt ist deren Anteil an der gesamten Rebfläche mit 7,2 % aber noch recht bescheiden.

Und wie sieht es bei dem Verkauf aus? Der Absatz von 7/10-Flaschen hat sich markant erhöht. Insgesamt wurden 2018 48,9 Prozent mehr 7/10-Flaschen Rotwein verkauft, bei den Weißwein-Flaschen betrug der Zuwachs sogar 95,1 Prozent.

Was haben Südtirol, Italien, Deutschland und USA gemeinsam? Sie sind die stärksten und wichtigsten Absatzmärkte. Südtirol stellt selbst nicht mehr den wichtigsten Absatzmarkt dar, sondern wurde vom restlichen Staatsgebiet abgelöst. In Italien konnten die Absatzzahlen mehr als verdoppelt werden. Außerdem konnten viele neue Länder wie die Benelux-Staaten, Russland, Kanada oder Japan erfolgreich erschlossen werden. 

Und wo wurde der Qualitätswein verkauft? 

Knapp die Hälfte der 7/10-Flaschen wurde an Hotels, Restaurants und Cafés verkauft. Auch der Fachhandel in Önotheken bildet einen wichtigen Verkaufskanal. Für Großproduzenten spielt zudem der Lebensmitteleinzelhandel eine Rolle, Kleinproduzenten hingegen setzen häufig auf den hauseigenen Weinshop.

Das sagt der Präsident der Handelskammer Bozen Michl Ebner zu aktuellen Lage: „Südtirols Weinwirtschaft hat bis jetzt immer gut gearbeitet und stets auf Qualität gesetzt. Dies ist eine gute Basis, um nach der Coronakrise schnell wieder das vorherige Absatzniveau zu erreichen.“

Und so sieht der Präsident des Konsortiums Südtirol Wein die aktuelle Situation: „Die WIFO-Studie gewährt uns einen wichtigen Einblick in die Südtiroler Weinwirtschaft – in das, was sie vor Corona war. Durch die Krise hat die Studie eine ganz neue Bedeutung gewonnen, weil sie uns wichtige Anhaltspunkte liefert. Sie zeigt uns, wo wir den Hebel jetzt und vor allem nach der Krise ansetzen müssen, um den Motor wieder in Schwung zu bringen und die Südtiroler Weinwirtschaft wieder dorthin zu führen, wo sie bis vor kurzem war.“

„Die einzig sinnvolle Strategie für Südtirol ist es, hohe Qualität zu produzieren und entsprechend hohe Preise zu erzielen.“

Kommen wir zurück zur Flächen- und Sortenentwicklung: bei den einzelnen Sorten fällt sofort auf, dass der Rückgang der Rotweinfläche insgesamt fast ausschließlich der Vernatsch-Rebe geschuldet ist. Mit einer Halbierung der Fläche zwischen 2005-2018 (-55,3 %) setzt sich die dramatische Abnahme der Vernatsch-Rebe auch in den letzten 13 Jahren unvermindert fort. Trotzdem bleibt der Vernatsch die wichtigste Rotweinsorte in Südtirol. Auf den weiteren Plätzen bei den Rotweinsorten folgen nach wie vor Lagrein und Blauburgunder, welche zugelegt haben, sowie Merlot und Cabernet, welche leichte Einbußen verzeichnen mussten. 

Die weißen Sorten haben sich durch die Bank vermehrt. Alle wichtigen Sorten wie der Ruländer, Gewürztraminer, Weißburgunder, Chardonnay und Sauvignon zeigen einen positiven Trend.

Bei der Flaschen-Größe-Auswahl hat sich auch einiges verändert. 2011 wurden noch 16,9 % der DOC-Weine in Flaschen anderer Größe (insbesondere 1-Liter) abgefüllt.

Besonders beim Vernatsch (vor allem Kalterersee DOC) und Weißburgunder stieg der Anteil der Menge, die in 7/10-Flaschen abgefüllt wird, deutlich an. Diese Entwicklung unterstreicht die Qualitätssteigerung des Südtiroler DOC-Weines. 

Wie kann man bei der Preisstrategie vorgehen? 

Laut WIFO-Analyse ist der Wettbewerb über den Preis für die kleinstrukturierte Südtiroler Weinwirtschaft ausgeschlossen. Die einzig sinnvolle Strategie für Südtirol ist es, hohe Qualität zu produzieren und entsprechend hohe Preise zu erzielen. Um noch höhere Preise erzielen zu können, ist es notwendig, die Weine als Lifestyle- und Luxusprodukt zu positionieren. Kauft man eine Flasche Wein, so kauft man ein bestimmtes Image, einen bestimmten Lebensstil. Der Preis spielt dann bei der Kaufentscheidung eine untergeordnete Rolle.

Die Daten aus der WIFO-Studie zeigen, dass die Südtiroler Weinwirtschaft es geschafft hat, den konsequenten Weg der Qualität erfolgreich weiterzugehen.

Welche Herausforderungen bringt die Zukunft mit sich? Laut WIFO-Studie spielt dabei nicht nur der Klimawandel eine Rolle, sondern vor allem die Nachhaltigkeit der Weinproduktion weiter zu erhöhen.

Der Succus: Südtirol ist und wird ein Wein-Qualitäts-Land bleiben. Die Qualität wird weiter steigen und die Vielfalt, welche Südtirol zu bieten hat, wird weiterhin eine wichtige Rolle spielen. Die große Frage lautet: Wird die Weißweinfläche im Vergleich zur Rotweinfläche weiter zunehmen? 

Es bleibt also spannend.

*Quelle: WIFO (Institut für Wirtschaftsforschung der Handelskammer Bozen)
Foto Reben: 123RF.com

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